WIE ES BEGANN · ODESSA, 2010 · 4 MIN LESEZEIT
Wir wohnten im Atelier
- Odessa, 2010. Zweites Jahr an der Kunstschule.
- Ein Stillleben, im Atelier aufgebaut:
- ein Tontopf, eine blaue Kanne, ein Stück Kürbis
- und drei trockene Mohnkapseln.

Öl nach einem Atelieraufbau – zweites Jahr an der Grekow-Kunstschule in Odessa, 2010. Jemand stellt die Gegenstände auf einen Tisch, hängt das Tuch dahinter, und die ganze Klasse malt dasselbe von verschiedenen Plätzen im Raum.
Hier: ein dunkler Tontopf mit drei trockenen Mohnkapseln, eine blaue Emaillekanne, ein Stück Kürbis, ein Zweig roter Beeren, ein gestreiftes Tuch dahinter und ein grünes darunter. Gewöhnliche Dinge – die Aufgabe sind nicht die Gegenstände, sondern die Farbe zwischen ihnen: wie das Orange des Kürbisses neben dem Blau der Kanne steht, wie das grüne Tuch in alles darüber hineinspiegelt.
Wir wohnten praktisch im Atelier. Der Aufbau stand tagelang da, und wir auch – malen, warten, bis die Farbe trocknet, weitermalen.
Ein Jahr später, 2011, ein neuer Aufbau im selben Atelier – und diesmal geht das Licht aus dem Bild. Eine runde Tonflasche in der Mitte, dunkle Flaschen dahinter, Gemüse vorn auf dem Tisch: rot, gelb, grün, tiefes Violett. Fast alles liegt im Schatten, also baut sich das Bild aus dunklen Tönen, die nie einfach Schwarz sind – Oliv, Braun, Violett, Dunkelgrün –, und nur ein paar warme Striche fangen das Licht auf der Flasche.
Nebeneinander zeigen die beiden Leinwände dieselbe Übung im Abstand eines Jahres: erst lernen, helle Farbe zusammenzuhalten, dann lernen, sie ohne Licht lebendig zu halten.


Stillleben mit Kürbis und blauer KanneÖl auf Leinwand
Odessa, Ukraine · 2010
„Die Gegenstände bleiben gleich. Die Farbe zwischen ihnen ist die Aufgabe.“
— Léa, Odessa 2010